Preisträger 2009
Adam Zagajewski (*21. Juni 1945 in Lemberg, heute Ukraine) lebt als Dichter, Prosaist, Literaturkritiker und Essayist in Krakau. Er studierte Psychologie und Philosophie an der Jagiellonen-Universität in Kraków. Nach Beendigung des Studiums arbeitete er als Assistent am Institut für Sozialwissenschaften der Akademia Górniczo - Hutnicza in Kraków. Als Dichter debütierte er 1968 in der Wochenzeitschrift „Życie Literackie”. Er gründete die Dichtergruppe „Teraz”, der er bis 1975 angehörte, und war Autor der Krakauer Zeitschrift „Student“. Zusammen mit Julian Kornhauser gehörte er der seinerzeit bekannten Dichterformation „Nowa Fala“ (Neue Welle) an und war der demokratischen Opposition verbunden. 1975 wurde über ihn, nach Protesten gegen die von dem kommunistischen Regime geplanten Veränderungen in der Verfassung der Volksrepublik Polen, ein Druckverbot verhängt. 1976 war er Mitbegründer und Redakteur der unabhängigen, außerhalb der staatlichen Zensur erscheinenden Zeitschrift „Zapis“ und Dozent der Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse. Als Bürgerrechtler schloss er sich dem Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) an. Bis zur Auflösung durch die Behörden während des Ausnahmezustandes war er Mitglied des Polnischen Schriftstellerverbandes, seit 1989 Mitglied des Vereins der Polnischen Schriftsteller. Seit 1978 ist er Mitglied im P.E.N. Nach Verhängung des Kriegsrechtes wanderte Zagajewski 1982 nach Paris aus, wo er mit der von Jerzy Giedroyć herausgegebenen Monatszeitschrift „Kultura“ und „Zeszyty Literackie“ kooperierte. Ab 1988 war er u. a. als Gastprofessor an der Universität in Houston, USA, tätig. Nach dem Sieg der demokratischen Bewegung kehrte er 2002 nach Polen zurück. 2008 wurde er mit dem „Kavalierskreuz des Ordens der Wiedergeburt Polens“ des Präsidenten der Republik Polen ausgezeichnet.
Die Poesie Adam Zagajewskis, war am Anfang eher antipoetisch, der so genannten „Richtlinie des ehrlichen Sprechens” verpflichtet, d.h. knapp, einfach, streng im Ausdruck und emotional diszipliniert. Beginnend mit dem Gedichtband „Nach Lwów fahren“ verwandelt sie sich in eine philosophische Lyrik mit komplizierten Metaphern und Symbolen, die in der Problematik der Tradition und Identität der europäischen Kultur verwurzelt ist, in der das in die zu erlebende Wirklichkeit eingezeichnete Geheimnis eine wichtige Rolle spielt und die Mythisierung der Wirklichkeit. Zagajewski selbst definiert die Poesie als Kunst der Formulierung und Verarbeitung von gedanklichen Eindrücken, und gleichzeitig betrachtet er sein eigenes Schaffen mit großer Distanz.
Zagajewski wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Kościelski-Preis (1975), dem Kurt-Tucholsky-Preis, Stockholm (1985), dem Andrzej-Kijowski-Preis, Warschau (1986), dem Prix de la Liberté, Paris (1987), dem Tomas Tranströmerpriset (2000), dem Nikolaus-Lenau-Preis (2000), Horst-Bienek-Preis für Lyrik (2002), dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung (2002), dem Würth-Literatur-Preis/Tübinger Poetik-Dozentur (2003), dem Neustadt International Prize for Literature (2004), dem Spycher-Literaturpreis Leuk (2005).
Seine Werke sind in viele Sprachen übersetzt worden. Ins Deutsche wurden einige davon hervorragend übertragen von den beiden Linde-Preisträgern Karl Dedecius und Henryk Bereska. Im Carl Hanser Verlag sind auf deutsch erschienen:
- Der dünne Strich. Roman. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. 1985
- Solidarität und Einsamkeit. Essays. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. 1986
- Gedichte (Auswahl aus: Brief. Ode an die Freiheit und Nach Lemberg fahren). Herausgegeben und übersetzt von Karl Dedecius. 1989
- Mystik für Anfänger. Gedichte. Aus dem Polnischen übertragen und herausgegeben von Karl Dedecius. 1994
- Ich schwebe über Krakau. Erinnerungsbilder. Aus dem Polnischen von Henryk Bereska. 2000
- Die Wiesen von Burgund. Gedichte. Aus dem Polnischen von Karl Dedecius. 2003
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Durs Grünbein (* 9. Oktober 1962 in Dresden) lebt als Dichter, Essayist, Kritiker und Übersetzer in Berlin. Nach einem abgebrochenen Studium der Theatergeschichte an der Humboldt-Universität Berlin arbeitete er als freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitschriften und Verlagsprojekte. Nach dem Mauerfall führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er mehrere bedeutende Preise, darunter den Nicolas-Born-Preis (1993), den Peter-Huchel-Preis (1995), den Georg-Büchner-Preis (1995), den Literaturpreis der Salzburger Osterfestspiele (2000), den Friedrich-Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt (2004), den Friedrich Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2005), den Berliner Literaturpreis (2006)
Grünbein ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der Akademie der Künste in Berlin, der Freien Akademie der Künste in Hamburg, der Freien Akademie der Künste zu Leipzig und der Sächsischen Akademie der Künste. Seit 2005 ist er Professor für Poetik an der Kunstakademie Düsseldorf und seit 2008 Mitglied des Ordens „Pour le mérite“ für Wissenschaft und Künste in Berlin. 1988 debütierte Durs Grünbein mit dem Gedichtband „Grauzone morgens“ im Suhrkamp Verlag. In seinen Texten aus den Jahren 1985 – 1988 zeigt er mit Hilfe von dichterischen doch dabei nicht artifiziellen Begegnungen mit der Alltagswelt authentische Gefühle und Wahrnehmungen eines Bewohners der DDR-Metropole Berlin. Auf solche Art und Weise entstand ein poetisch verfremdetes Bild der Welt des realen Sozialismus im Zustand der geistigen Leere und der herannahenden Agonie. Einen beträchtlichen Widerhall fand der nächste Band „Schädelbasislektion” (1991), in dem Grünbein unter anderem bemüht war, die persönlich erlebte Problematik der Wiedervereinigung Deutschlands thematisiert, indem er die Begriffe und die Sprache der Politik durchforstet. Das Schaffen Grünbeins kann in kein ästhetisches Programm gefasst werden, kennzeichnend für ihn ist seine Aufgeschlossenheit für das Begriffswerk der Naturwissenschaften und die Akzeptanz der Veränderungen bei der Wahrnehmung der Wirklichkeit in einer Welt, in der Subjekte marginalisiert werden und mediale Eindrücke im Überfluss vorhanden sind.
In den nächsten Gedichtbänden und immer zahlreicheren Essays nimmt der Schriftsteller einen intellektuellen Dialog mit den Denkern (Seneca, Descartes, Wittgenstein) und Dichtern (deutsche Klassiker, die japanische Tradition der Haiku-Gedichte) auf. Er übersetzte unter anderem Dramen von Aischylos ins Deutsche. Die Kritik sieht in ihm einen intellektuellen Dichter und einen hervorragenden Stilisten. Er ist Autor von über 20 Büchern, die im Suhrkamp Verlag erschienen sind. Ins Polnische wurden bis jetzt nur einige Gedichte von ihm übersetzt („Literatura na świecie”, Nr 3/1998).
Grünbeins Werke wurden unter anderem ins Englische, Französische, Spanische, Italienische, Russische, Japanische und Ungarische übersetzt. Im Suhrkamp-Verlag sind erschienen:
- Grauzone morgens. Gedichte. 1988
- Schädelbasislektion. Gedichte. 1991
- Den Teuren Toten. 33 Epitaphe. 1994
- Nach den Satiren. Gedichte, 1999
- Aischylos. Die Perser. Stück und Materialien. 2000
- Das erste Jahr. Berliner Aufzeichnungen. 2001
- Erklärte Nacht. Gedichte. 2002
- Vom Schnee oder Descartes in Deutschland. 2003
- An Seneca. Postskriptum. 2004
- Berenice. Ein Libretto nach E.A. Poe. 2004
- Antike Dispositionen. Aufsätze. 2005
- Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt. 2005
- Der Misanthrop auf Capri. Historien u. Gedichte. 2005
- Gedicht und Geheimnis. Aufsätze 1990-2006
- Gedichte. Bücher I – III, 2006
- Liebesgedichte, Gedichte. 2008
- Der cartesische Taucher. Drei Meditationen, 2008
- Lob des Taifuns. Reisetagebücher in Haikus. 2008
- Die Bars von Atlantis. Eine Erkundung in vierzehn Tauchgängen. 2009
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